Was Trainer lehren. Was Trainer leben.
Im Selbstschutz geht es um weit mehr als Techniken.
Wir Trainer sprechen über Respekt, Selbstwert, Selbstbehauptung, Wehrhaftigkeit, Grenzen, Deeskalation, Fairness, Eigenverantwortung, Selbstkontrolle und Zivilcourage.
Wir möchten Menschen darin stärken, für sich einzustehen, Grenzen zu setzen, selbstständig zu denken und sich nicht von anderen einschüchtern oder kleinmachen zu lassen.
Doch daraus ergibt sich für mich eine entscheidende Frage:
Leben wir Trainer diese Werte auch selbst gerade dann, wenn wir unter Druck geraten?
Denn Werte zu vermitteln ist einfach, solange sie uns nichts kosten. Interessant wird es, wenn wir selbst kritisiert oder angegriffen werden, unser Ego getroffen wird, Freunde oder Geschäftspartner beteiligt sind oder eine klare Haltung möglicherweise Status, Kooperationen, Reichweite oder Geld kosten könnte.
Was bleibt dann von unseren Werten übrig?
Genau hier setzt die KROCKER Trainer-Matrix an.
DAS TRAINER-PARADOXON
Mich beschäftigt der mögliche Widerspruch zwischen dem, was wir als Trainer vermitteln, und dem, wie wir selbst handeln.
Respekt lehren → Menschen entwerten
Anti-Mobbing lehren → Menschen öffentlich verspotten
Deeskalation lehren → Konflikte anheizen
Selbstwert vermitteln → andere kleinmachen
Grenzen setzen lehren → Grenzen anderer nicht akzeptieren
Eigenverantwortung lehren → Gefolgschaft und Gruppendenken fördern
Selbstbewusstsein lehren → Widerspruch persönlich nehmen
Selbstkontrolle lehren → die eigene Reichweite für persönliche Abrechnungen einsetzen
Haltung zeigt sich für mich aber nicht nur darin, was wir selbst tun.
Sie zeigt sich auch darin, wie wir reagieren, wenn Freunde, Kollegen, Geschäftspartner oder Menschen aus der eigenen Gruppe gegen die Werte handeln, die wir selbst vertreten.
Eine zentrale Frage lautet deshalb:
Gelten meine Werte auch dann, wenn ihre konsequente Anwendung meine Freundschaften, Kooperationen, meinen Status oder meine eigenen Interessen berührt?
DIE 9 STUFEN DER KROCKER TRAINER-MATRIX

Die KROCKER Trainer-Matrix ist ein von mir entwickeltes Reflexions- und Orientierungsmodell mit neun Stufen.
Sie bewertet nicht, wie gut jemand kämpfen kann.
Sie bewertet nicht, wie erfolgreich jemand ist.
Und sie entscheidet nicht darüber, ob jemand ein „guter“ oder „schlechter“ Mensch ist.
Sie betrachtet Verhaltensweisen unter Druck.
Wie reagiere ich, wenn ich selbst angegriffen werde?
Kann ich mich konsequent verteidigen, ohne selbst zum Angreifer zu werden?
Was tue ich, wenn andere unfair behandelt werden?
Schaue ich weg oder positioniere ich mich?
Folge ich Freunden, Trainern oder meiner Gruppe ungeprüft?
Unterstütze oder verstärke ich Angriffe?
Oder erzeuge ich selbst personenbezogene Abwertung?
WEHRHAFTIGKEIT BEDEUTET NICHT PASSIVITÄT
Dieser Punkt ist mir besonders wichtig.
Deeskalation bedeutet nicht, sich alles gefallen zu lassen.
Wer angegriffen wird, darf sich verteidigen. Man darf widersprechen, Grenzen setzen, deutlich werden, sich schützen und Konsequenzen ziehen.
Wehrhaftigkeit gehört zum Selbstschutz.
Deshalb ist eine wichtige Trennlinie der Matrix:
Nicht jede Gegenwehr ist ein Gegenangriff. Entscheidend ist, ob ich meine Grenze verteidige oder beginne, den anderen Menschen zu entwerten.
Auch die Vorgeschichte eines Konflikts spielt eine Rolle. Wer einen Konflikt beginnt und jemand, der auf einen Angriff reagiert, befinden sich nicht automatisch in derselben Ausgangssituation.
Gleichzeitig ist „Der andere hat angefangen“ kein Freibrief für jede Form der Gegenreaktion.
Genau diese Unterschiede und Grauzonen möchte die KROCKER Trainer-Matrix sichtbar machen.
EIN SPIEGEL! KEIN STEMPEL!
Vielleicht ist das der wichtigste Gedanke der Matrix:
Die Matrix ist kein Urteil darüber, wer du bist. Sie ist ein Spiegel dafür, wie du gerade handelst. Haltung ist trainierbar.
Menschen können sich in unterschiedlichen Situationen auf unterschiedlichen Stufen wiederfinden.
Auch erfahrene und gute Trainer können unter Druck Fehler machen.
Entscheidend ist für mich die Bereitschaft, das eigene Verhalten genauso kritisch zu betrachten wie das Verhalten anderer.
Die Matrix soll deshalb ausdrücklich kein Werkzeug zum Bashing oder zur öffentlichen Einordnung einzelner Personen sein.
Sie soll zur Selbstreflexion anregen.
DIE FRAGE HINTER DER MATRIX
Am Ende führen für mich viele Aspekte auf zwei Fragen zurück:
Wie glaubwürdig kann ich Respekt, Deeskalation, Wehrhaftigkeit und Anti-Mobbing vermitteln, wenn ich selbst Menschen öffentlich abwerte?
Und:
Gelten meine Werte auch dann noch, wenn es um einen Konkurrenten, einen Freund, mein Vorbild, meinen Geschäftspartner oder mich selbst geht?
Die KROCKER Trainer-Matrix beschäftigt sich damit, was von unseren Werten übrig bleibt, wenn wir selbst unter Druck geraten.
Nicht das, was ein Trainer über Werte sagt, zeigt seine Haltung. Entscheidend ist, was von diesen Werten übrig bleibt, wenn sie ihn selbst etwas kosten.
Kathy Krocker
Entwicklerin der KROCKER Trainer-Matrix
